"Zuckerbrot..."
Teil 3
von Beryll & Vagabond
~ Lancelot ~
Er war doch vernünftiger, als ich erwartet hatte. Nachdenklich sah ich ihn an und versuchte an seinem Gesicht abzulesen, ob ich ihm vorläufig vertrauen konnte. Alles was ich sah, war Niedergeschlagenheit, das Feuer in seinen Augen zumindest vorläufig erloschen.
Dennoch war ich mir alles andere als sicher, ob er seine Aufgabe nicht nur spielte.
Aber einer von uns würde wohl den ersten Schritt von Vertrauen machen müssen. Er hatte es zumindest versucht mit seinem Angebot.
Ich stand auf und ging zu ihm hinüber.
"Kennst du dich mit Pferden aus?" fragte ich.
Er nickte bestätigend.
Mit meinem Dolch durchschnitt ich seine Fesseln. Seine Augen weiteten sich überrascht und für einen Moment spannten sich alle seine Muskeln, bereit diese Gelegenheit zu nutzen und mich anzugreifen. Aber dann siegte seine Vernunft über seine Instinkte und er blieb ruhig stehen.
"Kümmere dich um mein Pferd." befahl ich ihm. "Du kannst es zum tränken zum Bach bringen."
Er starrte mich beinahe ungläubig an, aber ich entschied mich, ihm diese Chance zu geben. Das Schlimmste was passieren konnte, war, daß er versuchte zu fliehen und von einem meiner Stammesbrüder getötet wurde.
Gleichmütig ließ ich mich wieder auf meinem Lager nieder und setzte meine Arbeit fort.
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~ Arthur ~
Dieser Sarmate war mir wirklich ein Rätsel. Wenn sie alle so vertrauensvoll waren, würde es nicht schwer werden, von hier zu verschwinden. Doch seine Augen spiegelten einen wachen Verstand wieder und ich kam schnell zu dem Schluss, daß es sich um eine Art Prüfung handeln musste. Sicher wollte er testen, ob ich einen Versuch zur Flucht unternahm.
Ich schluckte, ob des Befehls. Schließlich war ich es gewohnt, dass ich normalerweise Anweisungen erteilte. Ich war nicht nur ein einfacher Soldat gewesen, sondern hatte es in kurzer Zeit bis zum Zenturio einer Einheit geschafft. Und jetzt sollte ich sein Pferd zum tränken führen?
Tief Luft holend, wandte ich mich in Richtung des Zeltausgangs. Wenigstens würde ich am Bach endlich meinen Durst löschen können. Die Aussicht den Dreck und Gestank der langen Reise von mir abzuwaschen, war ebenfalls verlockend.
Kaum hatte ich das Zelt verlassen, hob das Getuschel draußen auch schon an. Die neugierigen Blicke, die jeden Schritt von mir verfolgten, machten mich leicht nervös, aber ich wusste, nach außen hin würde ich völlig unbeeindruckt wirken.
Natürlich ließ sich das Pferd des Sarmaten nicht so einfach von meiner kühlen Miene täuschen. Hin und her tänzelnd, versuchte es mir immer wieder auszuweichen, empört und aufgebracht schnaubend, als ich nach den Zügeln griff.
Seine Augen glitzerten gefährlich und ich rechnete eigentlich damit, daß es jeden Moment nach mir austrat.
Entschlossen packte ich es am Halfter, den Kopf zu mir herunterziehend, und starrte ebenso feindselig zurück. „Jetzt hör mir mal gut zu,“ flüsterte ich und lächelte grimmig, „wie’s aussieht, bin ich derjenige, der sich in nächster Zeit um dich kümmern wird. Also stell dich besser gut mit mir, sonst könnte ich beschließen, die eine oder andere Mahlzeit zu vergessen, klar?“
Ein Wiehern und ein Blick von äußerster Entrüstung zeigte mir, daß meine Botschaft angekommen war. Zufrieden tätschelte ich den Hals des Tieres, das daraufhin nach meinen Haaren schnappte, sich aber nun von mir den Sattel abnehmen ließ. Ich klaubte eine Handvoll Stroh auf und begann damit, den schwarzen Hengst abzureiben. Bei näherer Betrachtung fand ich, daß es eigentlich ein sehr schönes und edles Tier war, an dem ich unter anderen Umständen sicher Gefallen gefunden hätte. Doch so wie die Dinge standen, konnte man wohl froh sein, wenn einer von uns den kleinen Ausflug zum Bach überlebte.
Mich mit Verachtung strafend, trabte der Schwarze hinter mir her, jeder von uns bemüht, so zu wirken, als hätte sich der andere gerade wohltuend in Luft aufgelöst.
Argwöhnisch folgten mir die Blicke der Dorfbewohner und ich seufzte erleichtert, als ich die Hügelkuppe erreichte und endlich vor ihren Augen geschützt war.
Das Pferd des Sarmaten beschloss, daß nun der richtige Zeitpunkt gekommen war, unsere Positionen zu ändern und trabte fröhlich vorneweg - mich, der ich immer noch die Zügel hielt, hinter sich her ziehend und zum schnellen Laufschritt zwingend. Verdammtes Biest.
Am Bach angekommen, schien es, als hätten mich plötzlich
alle Kräfte verlassen. Erschöpft ließ ich mich am Ufer zu
Boden fallen und starrte in das klar dahinfließende Wasser. Der Boden
unter mir war kalt und unnachgiebig, und der raue Wind der typisch für
Sarmatien war, riss an meiner Kleidung und zersauste mein Haar noch mehr.
Gierig schöpfte ich einige Handvoll Wasser und trank in langen Zügen.
Es war eiskalt und mein Magen schmerzte augenblicklich, doch der Durst schien
mir schlimmer zu sein.
Mein Spiegelbild im Wasser betrachtend, betastete ich vorsichtig meine geschwollene, leicht blutunterlaufene Wange. Ich kam zu dem Schluss, daß es hätte schlimmer sein können und daß, wenn ich ausreichend kühlte, mit ein wenig Glück in ein paar Tagen nichts mehr davon zu sehen sein würde. Ein wenig widerwillig zog ich mir schließlich das Hemd von den Schultern und wusch mich notdürftig, zitternd in dem kalten Wind.
Schon nach kurzer Zeit fror ich jedoch so sehr, daß ich es auf dem Boden nicht mehr aushielt. Müde stemmte ich mich hoch und brachte die nächste halbe Stunde damit zu, das störrische Biest von einem Pferd zur Rückkehr zum Lager zu bewegen. Als wir schließlich wieder vor dem Zelt ankamen, waren wir beide am Ende unserer Nerven. Mit diesem Pferd an Flucht zu denken, war eindeutig Selbstmord, das war mir nun klar.
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~ Lancelot ~
Es dauerte eine ganze Weile bis mein Sklave wieder auftauchte, aber ich machte mir keine Sorgen. Mein Pferd hatte immerhin einen Ruf als das störrischste Biest des ganzen Stammes zu verlieren.
Ich nutzte die Gelegenheit die Hose fertig zu nähen und in meinen Wintersachen nach einer warmen Jacke zu kramen. Sie war vielleicht nicht das ideale Kleidungsstück für meinen Sklaven, aber sie würde ihn warm halten, bis ich ihm ein richtiges Hemd besorgen, oder nähen würde.
Als er zurück ins Zelt kam, sah ich neugierig auf, um zu sehen, wie er sein erstes Aufeinandertreffen mit meinem Pferd überstanden hatte. Auf seinem Oberkörper waren die ersten blauen Flecken von den Prügeln, die er von mir bezogen hatte, zu erkennen, aber es schienen keine neuen dazugekommen zu sein. Allerdings zitterte er vor Kälte, da er sich seines zerrissenen Hemdes entledigt hatte.
Für einen langen Moment sah ich ihn nur nachdenklich an und versuchte zu entscheiden, ob ich ohne ihn nicht doch besser dran sein würde. Aber da war immer noch der angenehm kitzelnde Gedanke, ihn zu zähmen und wahrhaftig zu meinem Eigentum zu machen. Ihn nackt und schwitzend und wimmernd unter mir zu spüren.
In gewisser Hinsicht war ich genauso störrisch wie mein Pferd.
Mit einem "Hier," warf ich ihm die Hose und die Jacke zu, "damit du mir nicht erfrierst."
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~ Arthur ~
Erstaunt fing ich die Kleidungsstücke auf und betrachtete sie. Er hatte die Hose also für mich genäht! Ich schaute ihn verblüfft an. Aber dann beeilte ich mich in die neuen Sachen zu kommen, froh, mich wärmen zu können.
Das Leder war weich und lag angenehm auf der Haut. Seine Jacke war zwar etwas zu klein für mich, aber ein paar der Verschnürungen ließen sich problemlos lockern, um mir mehr Beweglichkeit zu geben.
Es war wunderbar zu spüren, wie sich mein Körper langsam erwärmte und ich schaute den Sarmaten dankbar an. Er lächelte wissend.
Dann erinnerte mich das Knurren meines Magens daran, daß ich seit zwei Tagen nichts gegessen hatte, und der Geruch der von den Lagerfeuern draußen drang, erschien mir plötzlich nicht mehr ganz so unerträglich, wie noch einige Stunden zuvor.
Aber ich würde bestimmt nicht um Essen betteln.
Unauffällig ließ ich den Blick erneut durchs Zelt wandern. Er musste doch hier irgendwo Vorräte haben?
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~ Lancelot ~
Sein nackter Körper hielt eindeutig, was er unter Stoff verborgen, versprochen hatte. Freundlicherweise wandte er mit sein Hinterteil zu, als er sich umzog, und gewährte mir so eine höchst erfreuliche Aussicht und bemerkte außerdem meinen neugierigen Blick nicht.
Stramm, war das Wort, das mir als erstes in den Sinn kam, gefolgt von sexy und geradezu darum bettelnd geknetet und gefickt zu werden.
Leider war ihm ziemlich kalt und er beeilte sich mit dem umziehen.
Dann wanderte sein Blick erneut neugierig durch mein Zelt und ich fragte mich, was er wohl diesmal suchte. Irgendeine Waffe vermutlich. Neugierig warf ich einen Blick dorthin, wo ich mein Schnitzmesser hatte liegen lassen, aber es war noch an seinem Platz. Obwohl ich damit rechnete, daß er es einstecken würde, sobald ich ihn im Zelt alleine ließ.
Mein Magen knurrte und erinnerte mich daran, daß ich nichts gegessen hatte, seit ich an diesem Morgen aufgebrochen war. Da ich kein Kaninchen geschossen hatte, würde ich wohl sehen müssen, was ich aus den Vorräten, die ich noch hatte, zubereiten konnte.
"Kannst du kochen?" fragte ich meinen Sklaven ohne viel Hoffnung auf eine positive Antwort.
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~ Arthur ~
Anscheinend hatte er meinen hungrigen Blick bemerkt. Ich zuckte die Schultern. Ich konnte ein Stück Fleisch an einen Spieß hängen, ja. Kochen? Eher nicht. Ich war kein Scout gewesen. Und genau das war die Antwort, die ich ihm auch gab.
Sein Gesichtsausdruck war nicht ermutigend. Zwar legte ich keinen Wert darauf, für ihn den perfekten Haussklaven zu spielen, aber es wurde immer deutlicher, daß ich ihm offenbar mehr Arbeit machte, anstatt ihm welche abzunehmen.
„Vielleicht... wenn du es mir zeigst?“ bot ich schließlich an. Ich wollte zumindest guten Willen zeigen. Meine größte Sorge war im Moment, daß er mich an jemand anderen verkaufen würde, wenn ich ihm zu lästig wurde. Und ich rechnete nicht damit, daß sich meine Chancen dann verbesserten.
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~ Lancelot ~
Es zeichnete sich immer mehr ab, daß es wohl nur eine Sache gab, die ihn für mich wirklich interessant machte. Und irgendwie bezweifelte ich, daß sein guter Willen soweit gehen würde, mein Lager mit mir zu teilen.
Ein wenig missmutig und ohne seine Frage zu beantworten, ging ich an ihm vorbei nach draußen, um das Kochfeuer vor dem Zelt anzufachen.
Nach einem Moment folgte er mir und ließ sich am Feuer nieder, die Hände daran wärmend und mir neugierig zusehend, wie ich die Zutaten in dem kleinen Kessel mischte, den ich übers Feuer gehängt hatte. Es würde nur ein einfacher Eintopf ohne frisches Fleisch werden, aber immerhin etwas Warmes im Magen.
Nachdenklich sah ich ihn über das Feuer hinweg an. Die Sonne war beinahe ganz hinter den Hügeln untergegangen und die Flammen verliehen seinem Haar einen rötlichen Schimmer. Wieder kehrten meine Gedanken zu seinem Nutzen für mich zurück. Auf eine karge, irgendwie sparsame Art war er wirklich ausgesprochen gut aussehend.
Ich öffnete gerade den Mund, um das Thema erneut anzuschneiden, als ich jäh unterbrochen wurde.
"Na, Lancelot, wie macht sich dein Betthäschen?" fragte Gawain, der sich von mir unbemerkt genähert hatte.
Sofort zogen sich meine Augenbrauen zusammen. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Und der Ausdruck auf dem Gesicht meines Sklaven stand meinem in nichts nach, wie ich mit einem Anflug von Sarkasmus bemerkte.
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